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Dermale Belastung

Verantwortlich: Dr. rer. nat. Anja Schäferhenrich

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„Hautgefährdung durch das Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe“

Zielsetzung:

Das Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe gilt als Feuchtarbeit (TRGS 401) und gemäß ArbMedVV muss bei Feuchtarbeit über mindestens vier Stunden täglich eine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge veranlasst werden, auch wenn es bislang kaum wissenschaftliche Belege dafür gibt, dass das Arbeiten mit flüssigkeitsdichten Handschuhen mit sauberen Händen und ohne Anwesenheit von Gefahrstoffen die Haut in gleichem Maße wie Feuchtarbeit oder überhaupt nennenswert schädigt (Ochsmann et al. 2006). In dieser Studie sollte nun untersucht werden, ob Arbeitnehmer, die regelmäßig täglich mehr als 4 Stunden flüssigkeitsdichte Handschuhe tragen, häufiger an Hautveränderungen an den Händen leiden, bzw. ob die Hautveränderungen schwerer sind als bei Arbeitnehmern, die keine Handschuhe tragen.

Material und Methode:

Es wurden aus einem Kollektiv von in der Halbleiterindustrie beschäftigten Personen zum einen Mitarbeiter aus dem Reinraum, die täglich mehr als 4 Stunden flüssigkeitsdichte Handschuhe tragen, zum anderen Mitarbeiter aus der Verwaltung als Kontrollen in die Studie eingeschlossen und untersucht. Neben dem Handschuhtrageverhalten wurden auch außerberufliche Risikofaktoren für das Handekzem (Geschlecht, Rauchen, Atopie u.a.) in einem standardisierten Interview systematisch erfragt. Der Hautbefund der Hände wurde mit dem quantitativen Hautscore HEROS erfasst, hautphysiologische Parameter zur Erfassung subklinischer Hautschäden wurden mit dem transepidermalen Wasserverlust (TEWL) und der Corneometrie untersucht. Zudem wurde die Polarisationsspektroskopie als neues Untersuchungsinstrument für die arbeitsmedizinische Vorsorge im Feldversuch getestet.

Ergebnisse:

Im klinischen Hautbefund der Hände zeigte sich bei der Erfassung mit dem HEROS kein signifikanter Unterschied beim Vergleich der Kollektive „Handschuhträger“ vs. „Kontrollen“. Der transepidermale Wasserverlust (TEWL) war jedoch bei den „Handschuhträgern“ signifikant erhöht. Etwa 30 bis 40 Minuten nach dem Ausziehen der Handschuhe waren diese Veränderungen allerdings nicht mehr nachweisbar und weisen daher nicht auf eine dauerhaft gestörte Hautbarriere hin. Die Beschäftigungsdauer stellte sich in einem Teilkollektiv der Studie in der multiplen linearen Regression als signifikanter Einflussfaktor auf die Höhe des TEWL dar. Hauterkrankungen an den Händen seit der Beschäftigung im Reinraum wurden von den „Handschuhträgern“ signifikant häufiger genannt. Zwischen den Kollektiven zeigte sich kein signifikanter Unterschied hinsichtlich der anamnestischen Angaben zu relevanten Hautveränderungen an den Händen im Sinne eines Handekzems und Atopie-Zeichen, was gegen einen Selektions-Bias spricht.

Schlussfolgerung:

Aus den Untersuchungen ergaben sich durch das Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe über mehr als 4 Stunden täglich bei sauberen Händen und ohne die Anwesenheit von Gefahrstoffen keine Hinweise auf einen gravierenden Einfluss auf den Hautzustand, so dass zu diskutieren ist, ob für Arbeiter im Reinraum neben einem konkreten (reinraumbezogenen) Hautschutzkonzept die Vorsorge durch anlassbezogene Untersuchungen ergänzt werden kann oder weiterhin die Durchführung der durch die ArbMedVV vorgeschriebenen Pflichtvorsorge in festen zeitlichen Abständen durchgeführt werden soll.

Literatur:

Weistenhöfer W, Wacker M, Bernet F, Uter W, Drexler H. Occlusive gloves and skin conditions: is there a problem? Results of a cross-sectional study in a semiconductor company. Br J Dermatol 2015; 172 (4): 1058-1065 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/bjd.13481

Weistenhöfer W, Uter W, Drexler H. Has dry/cold weather an impact on the skin condition of cleanroom workers? J Toxicol Environ Health A 2016; 79 (22-23): 1118-1124 https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/15287394.2016.1219602

Weistenhöfer W, Uter W, Drexler H. Protection during production: Problems due to prevention? Nail and skin condition after prolonged wearing of occlusive gloves. J Toxicol Environ Health A 2017; 80 (7-8): 396-404 https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10937404.2017.1304741

Weistenhöfer W, Uter W, Bernet F, Drexler H. The Tissue viability imaging system – suitable method for discovering minimal skin changes in occupational screenings? Results of a cross-sectional field study. Skin Res Technol 2019; 25: 553-563 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/srt.12686

Das Projekt wurde durch die BG ETEM gefördert.

Verantwortlich: PD Dr. Wobbeke Weistenhöfer

Das Online-UV-Anamnesetool

https://uv-anamnese.housing.rrze.uni-erlangen.de/Sonnenjahre

Ihren persönlichen Zugangscode erhalten Sie hier

 

Erfassung der UV-Belastung mit Hilfe der Standarderythemdosis SED
(1 SED = 100 J/m² (erythemwirksame Bestrahlung Her))*

        • Wert A:
          altersäquivalente UV-Lebenszeitdosis für den „Indoorworker“
          (Jahresmittelwert von 130 SED/Jahr x Anzahl der Lebensjahre bei Erstdiagnose des Hauttumors)
        • Wert C:
          pauschale Zu- oder Abschläge für extreme Freizeit-Outdoor-/ Indooraktivität
        • Wert B:
          zusätzliche beruflich bedingte UV-Dosis für den Outdoorarbeiter
          ► ggfs. für mehrere Arbeitsepisoden
          ► Annahme von 170 SED/Jahr als durchschnittliche zusätzliche, beruflich bedingte, jährliche Dosis an natürlicher UV-Strahlung und
          ► Berücksichtigung von
          (I) Tätigkeitsdauer,
          (II) Einsatzzeit (Sommer/Winter, Mittags- oder Morgen-/Abendzeit) und
          (III) Einsatzort (Geographische Breite, Meereshöhe, Rückstrahlvermögen der Arbeitsumgebung (Albedo)) sowie zusätzlich
          (IV) Bedeckungsgrad des betroffenen Hautareals als Faktoren

–> möglicher BK-Fall =

Anzeige bei begründetem Verdacht
auf das Vorliegen einer Berufskrankheit

Jeder Mensch ist gegenüber solarer UV-Strahlung exponiert. Eine zusätzliche UV-Exposition von 40 % führt nach wissenschaftlichem Kenntnisstand zu einer Risikoverdoppelung (RR = 2) für die Erkrankung an einem Plattenepithelkarzinom. Plattenepithelkarzinome (PEK) und multiple aktinische Keratosen der Haut können unter der Nr. 5103 der Anlage zur Berufskrankheiten-Verordnung dann als Berufskrankheit anerkannt und entschädigt werden, wenn am Ort der Tumorentstehung eine zusätzliche beruflich bedingte UV-Belastung von mindestens 40 % vorgelegen hat. Berufliche und außerberufliche solare UV-Belastung müssen daher retrospektiv quantitativ abgeschätzt und miteinander in Relation gesetzt werden, um entscheiden zu können, ob eine begründete Anzeige bei Verdacht auf Vorliegen einer Berufskrankheit gestellt werden kann. Dies ist mit dem kostenlos verfügbaren Online-UV-Anamnese-Tool ohne großen Zeitaufwand möglich. Untersuchungen zur Anwendbarkeit im Feldversuch und zur Validität zeigten gute Ergebnisse.

Literatur

Weistenhöfer W, Hiller J, Drexler H, Kiesel J. Retrospektive Expositionsabschätzung der natürlichen UV-Strahlendosis: Erfahrungen mit dem Online-UV-Anamnese-Instrument im Feldversuch. J Dtsch Dermatol Ges 2017; 15 (6): 610-620 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/ddg.13250_g

Kiesel J, Wolf V, Knuschke P, Wittlich M, Letzel S, Drexler H. UV-Anamneseauxilium zur Expositionsabschätzung der natürlichen UV-Strahlendosis von im Freien Beschäftigten. Arbmed Sozialmed Umweltmed 2013; 48: 250-253 https://www.asu-arbeitsmedizin.com/wissenschaft/uebersicht-uv-anamneseauxilium-zur-expositionsabschaetzung-der-natuerlichen-uv

Das Forschungsvorhaben wurde durch die DGUV gefördert (FB 170).

Verantwortlich: PD Dr. Wobbeke Weistenhöfer