Berufliche Atemwegserkrankungen

Obstruktive Atemwegserkrankungen im Friseursalon

Atemwegsbeschwerden wie Husten, Luftnot und Rhinokonjunktivitis bei der Arbeit werden von Beschäftigten im Friseurhandwerk immer wieder beschrieben. In Bezug auf die dahinterstehenden Erkrankungen und möglichen Ursachen ergibt die bisherige Studienlage jedoch kein einheitliches Bild. Weitestgehend unstrittig erscheint zwar eine erhöhte Prävalenz für Beschwerden der oberen und unteren Atemwege, hinsichtlich eines erhöhten Erkrankungsrisikos z.B. für Asthma, chronische Bronchitis und Rhinokonjunktivitis allergica gibt es jedoch unterschiedliche Ergebnisse (s. Albin et al. 2002, Bradshaw et al. 2011, Gosh et al. 2013, Leino et al. 1997 & 2006).

Für berufliche Einflussfaktoren auf die Atemwege gibt es ebenso ein breites zu diskutierendes Spektrum von möglicherweise chemisch-irritativen Effekten über potentielle Allergene bis zu den Arbeitsplatzbedingungen mit Dämpfen, Stäuben und Feuchtigkeit. Auch verschiedene (Einzel-)Fallberichte beschreiben daher teils sehr unterschiedliche Ursachen und Erkrankungsverläufe. Für wirksame Präventionsmaßnahmen sowohl im individuellen Fall, aber auch auf kollektiver Ebene sind jedoch insbesondere mögliche Pathomechanismen und Gemeinsamkeiten sehr wichtig. Um die arbeitsplatzbezogenen Atemwegsbeschwerden im Friseursalon besser verstehen zu können, haben wir alle bei uns seit 2012 vorstelligen Friseure mit Atemwegsbeschwerden in einem konsekutiven Fallkollektiv erfasst und nach Auffälligkeiten und Gemeinsamkeiten untersucht.

Dabei zeigten sich relativ viele Beschäftigte mit einer positiven Hautreaktion auf Ammoniumpersulfat – als einer der häufiger beschriebenen Auslöser in diesem Zusammenhang –  im Pricktest. Zusammen mit einer entsprechenden Anamnese und Beschwerdesymptomatik im Sinne einer Soforttypallergie ergab sich daher bei 15-20% der Fälle ein Hinweis auf ein möglicherweise allergisches Asthma oder allergische Rhinokonjunktivitis auf konkrete Arbeitsstoffe. Häufig (~30%) blieben allerdings schon die zugrundeliegenden Diagnosen unklar, da die lungenfunktionsanalytischen Befunde nicht mal eine obstruktive Atemwegserkrankung sichern konnten. In dem größten Teil des Kollektivs (> 50%) hingegen war bei einer gesicherten obstruktiven Atemwegserkrankung die arbeitsplatzbezogene Komponente nicht abschließend einzuordnen. Sowohl eine unspezifische Gelegenheitsursache bei vorbestehendem Asthma/COPD als auch noch nicht näher zu identifizierende berufliche Ursachen kommen hierfür in Frage. Daher ist ein wichtiges Ziel für die Zukunft diese hohe Zahl an unklaren weiter zu reduzieren und ein besseres Verständnis zu den verschiedenen Pathomechanismen zu ermöglichen.

Kontakt

Dr. med. Julia Hiller

Prozessqualität, Benefit und Zufriedenheit Atemwegssprechstunde

Die Träger der gesetzlichen Unfallversicherungen haben in Deutschland gemäß SGB VII die Aufgabe, dem angezeigten Verdacht auf eine beruflich verursachte Erkrankung im Sinne der Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) nachzugehen und auf Grundlage ihrer Ermittlungen das weitere Vorgehen im jeweiligen Verwaltungsverfahren festzulegen. Für besonders häufige Krankheitsbilder im Berufskrankheiten(BK)-Geschehen gibt es hierfür deutschlandweit etablierte Verfahren.

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) bietet ihren Versicherten mit gemeldeten, unklaren, arbeitsplatzbezogenen Atemwegsbeschwerden unter bestimmten Voraussetzungen die Vorstellung in einer spezialisierten Atemwegssprechstunde, (AWS) mit Fokus auf eine arbeitsmedizinische Mitbeurteilung an. Die Vorstellung in der AWS soll helfen, den Weg des versicherungsrechtlichen Verfahrens mit Hilfe einer zusätzlichen Entscheidungsgrundlage frühzeitig sinnvoll zu steuern. Es soll daher insbesondere eine diagnostische Abklärung der Beschwerden und Diagnosesicherung und eine schnelle Bedarfsermittlung und Problemlösung ermöglicht werden und dadurch die Betreuung und Versorgung der Versicherten verbessert werden.

Das IPASUM der FAU Erlangen-Nürnberg fungiert seit 2012 als Kooperationspartner der BGW Bezirksverwaltungen Würzburg und München und bietet eine solche spezialisierte Atemwegssprechstunde für Patienten/-innen mit arbeitsplatzbezogenen Atemwegsbeschwerden an.

Primäres Studienziel im Forschungsprojekt „Prozessqualität, Benefit und Zufriedenheit Atemwegssprechstunde“ ist die explorative Untersuchung der Prozessqualität der AWS für Versicherte und UV-Träger im Rahmen der bei den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anhängigen Verwaltungsverfahren bei Verdacht auf eine berufliche Atemwegserkrankung und der Zufriedenheit der beteiligten Akteure (Patienten/-innen einerseits und Sachbearbeiter/-innen andererseits) mit diesem Verfahren. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen im Anschluss genutzt werden, um das Verfahren und die AWS bei Bedarf zu optimieren.

Projektpartner: BGW

Kontakt

Dr. med. Julia Hiller

Regina Lösch (M. Sc.)

Amanda Sophie Voss (M.A.)